28.03.

15:00 - 15:45 Uhr
Atrium 4 / F111
Roland Tichy

Brauchen wir jetzt mehr oder weniger Ludwig Erhard?

Ludwig Erhard ist der Dicke mit der Zigarre, die so ein bisschen oll wirkt. Das Beste an ihm ist scheinbar die Zigarre: Sie ist so etwas von daneben, dass sie schon wieder modern ist. Oder etwa doch nicht? Denn sie ist ja auch so etwas von verboten heute. Genau diese Umwertung von Dingen ist etwas, womit wir uns auseinandersetzen müssen. Denn Ludwig Erhard gibt es nicht mehr, weil es eine Umwertung gibt, was ihn betrifft. Die Frage ist: Welches Bild von Ludwig Erhard und der Marktwirtschaft vermitteln wir? Also: Was ist Marktwirtschaft?

Wenn man die öffentliche Debatte verfolgt, gibt es niemanden, der sagt, dass wir mehr Marktwirtschaft brauchen. Ich höre immer nur weniger. Dass es aber mehr sein sollte, ist immer begründungspflichtig. Marktwirtschaft ist – um es so zu nennen – nicht mehr sexy.

Was man für selbstverständlich nimmt, verschwindet. Und genau das droht augenblicklich der Marktwirtschaft. Es werden zwar Bilder von Ludwig Erhard in Sälen aufgehängt, Büsten von ihm aufgestellt. Aber das ist ein bisschen wie mit den Reiterstandbildern, über die Karl Kraus sagte, sie würden von Taubenkot überzogen und letztlich in ihrer Bedeutung umgekehrt.

Denn: Was machen wir aus dieser Marktwirtschaft?


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Roland

Tichy

Roland Tichy war von 2007 bis 2014 Chefredakteur der WirtschaftsWoche. Er studierte in München und New Orleans Volkswirtschaft, Politik und Kommunikationswissenschaften.